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Thematischer Aufhänger#

Warum sollten neue Mitglieder auf meiner Instanz ihr Zelt aufschlagen? Ein thematischer Fokus kann hier helfen. Viele Instanzen drehen sich um bestimmte Themen, hier sind die gängigsten Themen gruppiert. Der eigenen Kreativität sind aber keine Grenzen gesetzt.

Offene und allgemeine Instanzen#

Die größte Gruppe gleich vorneweg: Insbesondere die sehr großen Instanzen wie mastodon.social, social.tchncs.de, det.social und troet.cafe haben keinen thematischen Fokus. Sie sind offen für die Allgemeinheit und schließen nur bei Verstößen Menschen aus. Sie haben keine besondere Voraussetzung, kein gemeinsames Thema. Aber auch sehr viele kleinere Instanzen bieten ihre Dienste offen für alle an.

Örtlicher Bezug#

Die Favstarmafia-Liste enthält 180 überwiegend deutschsprachige Instanzen (Stand: 27.08.2023). Davon haben 64 einen Bezug zu einer Stadt (Berlin, Berlin, Berlin, aber auch andere Städte sind erlaubt), einer Region (Norddeutschland, Ruhrpott), einem Bundesland (NRW, Hessen) oder einem Land. Von den rund 320.000 aufgelisteten Teilnehmer*innen befindet sich über ein Drittel auf einer Instanz mit Lokalbezug.

Diese Instanzen sind normalerweise nicht dogmatisch auf eine Region begrenzt. Oftmals sind die Instanzen für "Kreis Klein-Auatal und Freunde". Dennoch darf man zunächst einmal davon ausgehen, dass Lokalbezug für viele Menschen ein interessantes Auswahlkriterium ist, wenn sie auf Suche nach einer Fediverse-Instanz sind.

Lokalbezug funktioniert

Wenn Du in einer Stadt, einem Land oder an einem Fluss ohne Fediverse-Instanz lebst, ist ein regionaler Aufhänger überlegenswert.

Sprache#

Aus rein praktischen Gesichtspunkten suchen sich Menschen vorzugsweise Instanzen heraus, auf denen sie die Sprache verstehen. Gleichzeitig regeln viele Instanzen, dass nur bestimmte Sprachen erwünscht sind weil die Moderation in Fremdsprachen und über Kulturkreise hinweg einfach oftmals nicht zu leisten ist.

Der Sprachbezug zur Instanz ist also oftmals sehr stark, gleichzeitig hast Du hier in der Regel nicht viel Gestaltungsspielraum. Kaum jemand kann eine Moderation in sehr vielen Sprachen sicherstellen. Wir gehen bei Moderation auch auf das Thema Sprache ein.

Identität, Interessen und Weltanschauung#

Das Fediverse hat eine große Anzahl von Instanzen, die sich mit der persönlichen Identität, bestimmten Interessen oder der Weltanschauung der Mitglieder beschäftigen. Einen großen und sehr bunten Strauß machen Instanzen aus, die sich mit sexueller Identität beschäftigen. Der Sage nach läuft das Fediverse vor allem, weil queere Furries die Server am Laufen halten. Instanzen für Religion, Musik, Brettspiele, Sportarten und Technologien gibt es ebenfalls in großer Fülle. Außerdem beschäftigen sich viele Instanzen mit Nachhaltigkeit, Verkehrswende und der Klimakrise. Ganz vereinzelt finden wir Instanzen, die Fans von Sportvereinen, Serien oder Bands zusammen bringen möchten.

Diese Gruppe macht zwar 61 von 180 Instanzen der Favstarmafia-Liste aus, setzt sich aber überwiegend aus kleineren Instanzen zusammen. So entfallen auf diese Gruppe etwa 8% der Mitglieder.

Gemeinsamkeiten und lokale Timeline

Manche Mitglieder suchen sich Instanzen nach den eigenen Interessen aus, um die eigene Identität zum Ausdruck zu bringen, Andere legen besonderen Wert auf die lokale Timeline. Die lokale Timeline passt auf diesen Instanzen automatisch viel besser zu den eigenen Interessen.

Vereine und NGOs#

Vereine finden sich in verschiedener Form im deutschen Teil des Fediverse. Einige Instanzen sind als Verein organisiert und haben den Betrieb der Instanz (oder sonstiger Infrastruktur) als Vereinszweck.

Ein paar Vereine mit anderem Vereinszweck betreiben zusätzlich eine Fediverse-Instanz für Vereinsmitglieder oder Menschen, die sich dem Verein zugehörig fühlen. Digitalcourage beispielsweise ist ein etablierter Verein, der auch eine Mastodon-Instanz im Fediverse betreibt. Ich halte es für eine sehr gute Idee, Mitgliedern eines Vereins ein solches Angebot zu machen. In einigen Vereinen gibt es eine starke Identifikation der Mitglieder mit dem Verein, diese können sie dann auch durch die Wahl der Fediverse-Instanz zum Ausdruck bringen. Wikimedia Deutschland e.V. betreibt eine Instanz auf der die eigenen Mitarbeiter willkommen sind.

Einige NGOs (1) betreiben ebenfalls Fediverse-Instanzen. Ein Beispiel ist hier die Mastodon-Instanz des DRK. Sie ist zwar eher klein, beherbergt aber einige Ortsverbände und ein paar private Profile. Auch Bits & Bäume hat eine eigene Instanz. Üblicher ist es, einen Account auf einer bestehenden Instanz wie Bewegung.social (betrieben von Digitalcourage e.V.) zu haben. Dort sind zum Beispiel LobbyControl und abgeordnetenwatch.de.

  1. Bei NGOs, aus dem englischen "Non-Governmental Organization", handelt es sich um Interessenverbände, die außerhalb einer Regierungsstruktur zustande kommen und die oftmals wichtige öffentliche Aufgaben übernehmen.

Fediverse zur Außenkommunikation nutzen

Als Verein oder NGO bietet sich eine eigene Fediverse-Instanz an, insbesondere wenn man auch den eigenen Mitgliedern eine Stimme geben möchte. Bei großen Verbänden können so auch lokale Ableger gut repräsentiert werden.

Medien, Firmen und Berufsgruppen#

Journalistische Medien und Firmen pflegen fast immer auch Social Media Kanäle. Beide haben gemeinsam, dass sie gerne Bekanntheit und Klicks hätten. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, das Fediverse mit Hilfreichen Beiträgen zu bereichern. Insbesondere technik-nahe Organisationen machen davon schon rege Gebrauch. Der Heise-Verlag betreibt eine eigene Instanz, die sowohl die verschiedenen Sparten (heise Security, heise Developer, …) als auch die einzelnen Autoren (Martin Holland, Jörg Wirtgen, …) beherbergt. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF waren mit ihren eigenen Instanzen sogar noch vor der britischen BBC am Start. In dem Kontext sei auch EDI (geschlossene Instanz) und DET (offene Instanz) erwähnt, die beide zur Produktionsfirma des ZDF Magazin Royale gehören.

Auch außerhalb dieser Organisationen gibt es natürlich Journalist*innen, zum Beispiel auf spezialisierten Instanzen wie reporter.social oder journa.host. Hier haben sich also Menschen eher nach Berufsgruppen oder Tätigkeiten zusammen gefunden. Das gleiche gilt für Bildung.social, helmholtz.social, openbiblio.social, FediScience und sciencemastodon, die sich mit Wissenschaft und Bildung befassen - auch losgelöst von einzelnen Einrichtungen. Viele der Profile gehen gezielt in die Richtung Wissenschaftskommunikation.

Verifikation von Journalisten

Auf einer spezialisierten Instanz, wie es zum Beispiel Heise macht, ist die Verifikation von Journalisten einfach. Aber der weitaus größere Teil ist über das gesamte Fediverse verstreut. Im Idealfall würde ein journalistisches Medium den eigenen Autoren die Verifikation ermöglichen, das wäre am einfachsten über eine Autoren-Seite, die auf das Fediverse-Profil mit einem besonderen Attribut (rel="me") verweist, möglich.

Da das momentan nur selten gemacht wird, möchte ich an dieser Stelle zwei Projekte erwähnen, die sich mit der Verifikation von Journalisten befassen:

Beide verifizieren, dass Personen die sind, für die sie sich ausgeben, verfolgen dabei aber leicht unterschiedliche Ansätze.

Nicht ganz "Firmen" und vielleicht auch nicht immer "Berufsgruppe", aber doch für Viele mehr als ein Hobby: Podcasts.social ist die Heimat vieler deutscher (und internationaler) Podcasts. Menschen mit medizinischem Hintergrund tummeln sich auf med-mastodon.com und Apotheke.social.

Unter Firmen sind bisher fast nur Technologie-Unternehmen wie Uberspace, Manitu oder Mozilla mit eigenen Instanzen am Start. Auch Hochschulen sind kaum vertreten (im deutschsprachigen Raum wohl überhaupt keine). Hier ist viel Platz für Erweiterung des Fediverse.

Politik, Regierungen, Öffentliche Stellen und Parteien#

Im Bereich Politik sollte auf jeden Fall die exzellente Sammlung "Fedipolitik" hingewiesen werden - an der Liste kann natürlich mitgewirkt werden!

Die wahrscheinlich kleinste Gruppe dürfte die der Regierungen oder öffentlichen Einrichtungen sein. Die EU betreibt ihre eigenen EU-PeerTube- und EU-Mastodon-Instanzen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit betreibt social.bund.de, auf dem sich viele Ministerien, Behörden, Institute und manche Landtage eingefunden haben. Als allererstes sollte davon der BfDI erwähnt werden, der die Instanz auch ins Leben gerufen hat.

Dieser Bereich ist stark ausbaufähig, und wenn Du Teil einer Behörde oder einer Regierungs-Organisation bist, wäre eine eigene Instanz - oder zumindest ein Profil im Fediverse - ein wirklich guter Weg, Menschen zu erreichen.

Parteien haben relativ früh erkannt, dass sich das Fediverse ausgesprochen gut eignet um die politische Landschaft abzubilden. Viele der großen Parteien betreiben eigene Instanzen, einige sogar mehrere. Die Grünen (Mastodon, Pixelfed, Mobilizon, PeerTube) und die Piraten (Friendica 1, Friendica 2, Mastodon) sogar verschiedene Fediverse-Plattformen im Betrieb. Die übrigen Parteien konzentrieren sich in der Regel auf Mastodon, selbst wenn sie mehrere Instanzen betreiben. Die SPD ist einmal eher offiziell und einmal auch für Nahestehende mit Mastodon am Start, die Linkspartei einmal für die Fraktion und einmal für die Partei. Die Partei und Volt sind je mit einer Mastodon-Instanz vertreten. Die FDP ist zwar in der Fedipolitik-Liste mit eigener Instanz aufgelistet, diese funktionierte aber bei einem Test nicht.

Gleichzeitig sind viele Politiker auch auf ganz anderen Instanzen zu finden, denn eine Pflicht zur Benutzung der (teilweise) offiziellen Instanzen einer Partei gibt es natürlich nicht.

Wie auch bei Journalistischen Medien erwähnt, kann eine Parteien-Instanz Vertrauen ausstrahlen. Politiker sind eine gerne imitierte Personengruppe, das ist auch im Fediverse nicht anders. Wenn aber sicher gestellt ist, dass alle Mitglieder einer Instanz auch wirklich Parteimitglieder sind, erleichtert es Außenstehenden die Überprüfung erheblich. Einige der zuvor aufgelisteten Instanzen sind genau aus diesem Grund nicht offen für alle, die Betreiber prüfen im Vorfeld genau, wer sich registriert.

Partei-Server

Ein Partei-Server ist eine sehr gute Möglichkeit, im Fediverse Parteipolitik zu machen. Viele Parteien auf Bundesebene nutzen die Möglichkeit bereits und stellen ihren Mitgliedern entsprechende Infrastruktur zur Verfügung. Es spricht auch nichts dagegen, eine Instanz für einen lokalen Ableger zu betreiben.

Öffentliche Stellen kontaktieren!

Das Projekt Fedigov hat sich zum Ziel gesetzt, Materialien zum Fediverse für öffentliche Stellen zu sammeln. Schreib' Deine politischen Vertreter*innen und öffentliche Stellen an, und bitte sie darum, ins Fediverse zu kommen. Fedigov gibt gute Anhaltspunkte.


Letztes Update: 23. September 2023