Dogpiling#
Berühmtheit und Überforderung#
Eines der frühen bekannten Mitglieder im Fediverse war Wil Wheaton (1). Er war Mitte 2018 im Fediverse kurzzeitig aktiv und wurde mit einer Kombination aus "Shut Up, Wesley" und Moderations-Meldungen überschüttet. Hinzu kamen Vorwürfe er sei transfeindlich. Insbesondere auf Mastodon waren außerdem viele überzeugt, dass berühmte Menschen, Influencer und/oder Firmen im Fediverse keinen Platz hätten.
- Den Nerds unter uns ist Wil Wheaton sicherlich aus Stand By Me bekannt. Alle Anderen kennen ihn vielleicht aus einer kleinen Fernsehserie namens Star Trek The Next Generation als Wesley Crusher.
Wil Wheaton schildert seine Sicht der Dinge in einem Blogeintrag, außerdem hatte The Verge seinerzeit über den Fall berichtet - was gleichzeitig einer der frühen großen Artikel über Mastodon und das Fediverse war.
Die Moderation von mastodon.cloud sah damals anscheinend keinen anderen Ausweg, als Wheaton selbst zu sperren, Dutzende (angeblich bis zu 60 Meldungen in einer Nacht) Meldungen hatten sie schlicht überfordert. Der Fall hatte im noch recht überschaubaren Fediverse Wellen geschlagen und auch der Entwickler von Mastodon hatte sich direkt dazu geäußert.
Shut Up, Wesley#
Ein Teil der Mastodon Community hielt es offenbar für witzig, auf Wheaton's Posts mit "Shut Up, Wesley" (1) zu reagieren. Was als einzelne Antwort vielleicht gerade noch als fehlgeleitetes, aber eigentlich vielleicht nett gemeintes Zitat durchgehen könnte, ist in hundertfacher Ausführung einfach überhaupt gar kein Spaß mehr.
- "Shut Up, Wesley" ist ein deplatziertes Zitat aus der Serie Star Trek The Next Generation, das Wesley Crusher, gespielt von Wil Wheaton, entgegen geworfen wird.
Vorwurf der Transfeindlichkeit#
Wheaton hatte Jahre zuvor auf Twitter selbst eine Blockliste eingesetzt. Diese Liste kuratierte er, allerdings geht sie ursprünglich auf eine Gamergate-Liste und später wohl auf eine Blockliste von Randy Harper zurück. Zum Schluss hatte sie einen Umfang von über 27.000 Einträgen. Diese Blockliste wurde über einen Dienst, der "Block Together" hieß (2020 eingestellt), wiederum Anderen zur Nutzung angeboten. Wheaton wurde vorgeworfen eine große Anzahl Transfrauen geblockt zu haben und durch die geteilte Liste auch andere Menschen zum Blocken gebracht zu haben. Wheaton selbst bringt an mehreren Stellen zum Ausdruck, dass das nicht seine Absicht gewesen sei und dass er insbesondere den Vorwurf der Transfeindlichkeit zurückweist.
Auch dieser Vorwurf soll zu Meldungen im Fediverse geführt haben.
Was ist Dogpiling?#
Der Fall ist ein Beispiel für Dogpiling; eine Art von Belästigung, die Moderierende auf dem Schirm haben sollten. Ein Dogpiling-Opfer wird von einer Flut von Antworten, Privatnachrichten oder anderen Interaktionen überrollt. Diese Antworten sind oftmals beleidigend oder psychologisch zermürbend. Auch das massenhafte Melden von Posts an die Moderierenden einer Instanz kann Dogpiling sein. Das Ziel ist es, die betroffene Person aus der Öffentlichkeit zu vertreiben. Nicht immer ist den massenhaften Täter*innen klar, woran sie sich beteiligen. Teilweise wird zu solchen Aktionen auf scheinbar unschädliche Weise oder unter falschem Vorwurf aufgerufen.
Als Moderierende Person sollte man bei massenhaften Meldungen also genau hin schauen, ob gemeldete Posts tatsächlich zu beanstanden sind. Falls missbräuchliche Meldungen massenhaft eingehen, sollte auch mit Moderierenden der Ausgehenden Instanz Kontakt aufgenommen werden. Gehen von eigenen Teilnehmer*innen missbräuchliche Meldungen oder massenhafte Kommentare aus, sollte ebenfalls auf basis der eigenen Community-Regeln reagiert werden.
Als Teilnehmer*in im Fediverse bleibt einem individuell natürlich die Möglichkeit Personen oder Server zu blocken und zusätzlich kann man in vielen Fällen auch bestimmte Stichwörter zumindest filtern. Dennoch sollte man auch überlegen, die Hilfe von Moderierenden zu suchen.